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AUFHÖREN WAR KEINE OPTION

 

„COVID-19 HAT DA ZU GEFÜHRT, DASS DAS HAUS BRENNT. UND FÜR EIN BRENNENDES HAUS IST KEINE FEUERVERSICHERUNG ZU BEKOMMEN“

 

Die Corona-Krise hat den Busreiseanbieter Werner-Tours in eine finanzielle Schieflage gebracht, die Liquidität wurde schnell knapp. Das Geschäftsführer-Duo entschied sich, das Insolvenzverfahren schnell durchzuziehen, statt es unnötig hinauszuzögern. Schon 2021 startet das Reiseprogramm von Werner-Tours mit einem starken Partner neu durch.

Aus einzelnen Reisewarnungen wurde in kurzer Zeit eine weltweite Reisesperre, schon vor dem ersten Lockdown mussten. Veranstalter sämtliche geplanten Reisen absagen und ihren Kunden innerhalb von 14 Tagen geleistete Zahlungen zurückerstatten – und das alles zu einer Zeit, als die neue Saison gerade so richtig losgehen sollte. Dieses Fiasko kennen alle Reiseunternehmen aus den Anfängen der Coro-na-Pandemie im März 2020. Werner-Tours aus dem norddeutschen Schwülper bei Braun-schweig erging es nicht anders, die Situation entspannte sich auch nicht, als im Sommer die Reisewarnungen zwar wieder aufgehoben wurden, aber plötzlich eine Stornierungswelle den Busreiseanbieter überrollte. „Die Kunden waren verunsichert, wollten nicht reisen, sodass wir sehen konnten, dass keine Reisen stattfinden können und die finanzielle Belastung enorm war, die Kunden alle auszuzahlen“, berichtet Werner-Tours-Geschäftsführerin Verena Meyer. Bei ihr war die Lage besonders schwierig, weil zu alledem Fixkosten für zwei Schiffe, die sie für Flusskreuzfahrten im Vollcharter betrieb, weiterliefen. Vor Corona war dies ein sehr rentables Geschäft. Nun wurde es wegen der hohen Vorfinanzierung innerhalb von kurzer Zeit zu ei-nem bedrohlichen finanziellen Risiko. 

 

Erste Insolvenzberatung schon im März.

Schon frühzeitig erkannte sie mit ihrem Co-Geschäftsführer Erik Klawonn das sich abzeichnende  Liquiditätsproblem. Bereits Mitte März, als es losging mit den ersten Reisewarnungen, holte sie sich Hilfe bei einem Insolvenzberater. Der riet ihr, so lange wie möglich durchzuhalten und zu prüfen, welche finanziellen Hilfen sie in Anspruch nehmen könne. Sie fragte einen KfW-Kredit an, stellte aber ziemlich schnell fest, dass die Höhe nicht ausreichen würde und dass die Rückzahlungsverpflichtung in den Folgejahren eine kaum zu stemmende Belastung wäre. Eine Bugwelle an Schulden wollte sie nicht vor sich her schieben. Also entschied sie sich, obwohl sie den Antrag auf Insolvenz wegen der coronabedingten Zahlungsunfähigkeit bis Ende September hätte aussetzen können, den Gang zum Amtsgericht zu wagen. „Wir haben lange darüber nachgedacht, viel gerechnet – die Entscheidung ist uns grundsätzlich sehr, sehr schwer-gefallen“, sagt Meyer. 

Die nächsten Monate hatte sie den Geschäftsbetrieb unter Corona-Bedingungen zunächst noch weiter durchgezogen, um dann festzustellen, dass das Finanzproblem nur aufgeschoben, aber nicht aufgehoben ist. „Am Ende war die Last zu groß für uns, dass wir uns gesagt haben: Es bringt nichts, wir drehen uns im Kreis, wir kommen einfach nicht weiter.“ Am 29. Juni 2020 zog sie die Reißleine und stellte den Insolvenzantrag. „Der Gang zum Amtsgericht war wirklich noch mal eine Last, aber danach ging es eigentlich nur noch aufwärts“, erinnert sich Meyer. 

Noch am selben Tag meldete sich der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Franc Zimmermann von der Kanzlei Mönning Feser Partner, der mit dem Insolvenzverfahren betraut wurde. Keine fünf Monate später ist das größte Problem ge-öst: Das Reiseprogramm von Werner-Tours ist gerettet und be-kommt unter einem neuen Unter-nehmensdach eine zweite Chance. „Frau Meyer hat es intuitiv richtig gemacht“, sagt Rechtsanwalt Zimmermann über die Geschäftsfüh-rerin und verweist auf eine alte Weisheit: „Je später der Insolvenzantrag gestellt wird, desto geringer sind die Sanierungsoptionen.“  

 

Pauschalreisen durchkreuzen die Pläne.

Laut Para-graf 1 der Insolvenzordnung ist das erklärte Ziel eines Insolvenzverfahrens, das Unternehmen zu erhalten. An der Sanierungsfähigkeit von Wer-ner-Tours hatte Zimmermann keine Zweifel. Denn das Busreiseunternehmen, das schon 40 Jahre am Markt besteht, war ein im Kern ge-sundes Unternehmen. „Reisen werden immer funktionieren“, ist Insolvenzverwalter Zimmer-mann überzeugt. „Deswegen war klar: Man wird Werner-Tours mit ziemlicher Sicherheit saniert bekommen. Die Frage war nur, auf welchem Weg bekommen wir das hin.“ Vorgeschwebt hatte ihm eine Insolvenzplanlösung. „Die Insolvenzplanlösung ist die eleganteste Form der Insolvenzverwaltung, behaupte ich, weil sie den Betrieb in seinem Bestand unangetastet lässt“, erklärt der Anwalt. Juristisch ausgedrückt bedeutet diese Lösung, dass der Rechtsträger mit seinem Kerngeschäft als sol-cher erhalten bleibt. Im Fall von Werner-Tours hätte die Gesellschaft mit ihren beiden Geschäftsführern weiter am Markt agiert. Doch ebendieses Kerngeschäft machte diesen Plan unmöglich: die Pauschalreisen, die mit einem Sicherungsschein unterlegt sein müssen. Und dafür fand sich in der Corona-Krise kein Rückversicherer mehr. „Covid-19 hat dazu geführt, dass das Haus brennt. Und Sie werden keine Feuerversicherung für ein brennendes Haus mehr bekommen“, antwortete ihm ein Rückversicherer, bei dem der Insolvenzverwalter angefragt hatte. Den Insolvenzplan hätte Zimmer-mann also zwar umgesetzt bekommen, Werner-Tours hätte dann aber keine Pauschalreisen anbieten können.

So blieb nur die jetzt realisierte Lösung: das Kerngeschäft Pauschalreisen an einen anderen Anbieter zu verkaufen, juristisch ausgedrückt: die sanierende Übertragung des operativen Geschäftsbetriebs.

 

Neuer Eigentümer Schubert Touristik.

Der Insolvenzverwalter suchte europaweit nach einem passenden Partner, im Fall von Werner-Tours war die Rettung schließlich nur eine gute Auto-stunde entfernt. Zimmermann fand in Schubert Touristik aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt den passenden Käufer für das Reiseprogramm des niedersächsischen Busreiseanbieters. „Schubert war von der Größenklasse für uns von An-fang an sehr attraktiv“, sagt Zimmermann. Doch das war nicht das einzig wichtige Kriterium. „Herr Schubert hatte das belastbarste Fortführungskonzept, von dem wir davon ausgehen dürfen, dass er es locker in die Saison 2021/2022 packen wird.“ Denn was der Insolvenzverwalter in seiner 14-jährigen Tätigkeit schon oft beobachten konnte: dass sich Investoren finanziell mehr zutrauen, als sie wirklich stemmen können. Dann kommt es womöglich schon nach wenigen Monaten zu einer erneuten Insolvenz. Der neue Eigentümer Mike Schubert hingegen sei sehr erfahren, könne gut rechnen und habe sehr vernünftig argumentiert und gute Strategien aufgezeigt. 

Die Konsequenz des seriösen Handelns: Die beiden Charterverträge für die Schiffe wollte der neue Eigentümer nicht übernehmen, das hatte der geschäftsführende Gesellschafter von Schubert Touristik aufgrund des hohen finanziellen Risikos von Anfang an ausgeschlossen. Auch ein zu Werner-Tours gehörendes Reisebüro wurde an einen anderen Investor verkauft. 

Dafür bleibt der Standort von Werner-Tours in Niedersachsen erhalten und wird sogar weiter ausgebaut. Es soll an den Schubert-Standard angeglichen werden und bis zum Saisonstart 2021 ein Terminal-Konzept umsetzen, damit die Werner-Tours-Kunden wie bislang schon alle Schubert-Kunden beim professionellen Check-in mit einem Lunchpaket und einem Kaffee für ihren Reisestart empfangen werden.Alle 15 Mitarbeiter von Werner-Tours werden nach Paragraf 613a BGB übernommen, dazu gehören auch die Geschäftsführer Meyer und Klawonn, die erst einmal in ihrem Amt bleiben. 

 

Fit für den Neustart.

Als die beiden Geschäftsführer schon im Sommer entschieden hatten, dieses Jahr keine Reisen mehr anzubieten und durch das Insolvenzverfahren den Weg für einen Neubeginn frei zu machen, haben sie die ruhige Zeit genutzt, um die Reiseprodukte gemeinsam mit Franc Zimmermann zukunftsfähiger zu machen. Und das könnte der positive Aspekt sein, den sie der Pandemie abgewinnen. „Covid-19 hat den Geschäftsbetrieb dazu gezwungen, in einen Corona-Schlaf zu gehen, und in der Zeit konnten wir die Produkte der Wer-ner-Tours überprüfen“, sagt Insolvenzverwalter Zimmermann. „Im normalen Alltagsgeschäft bleibt dafür in der Regel wenig Zeit.“ Um den Busreisenden etwas Besonderes zu bieten, wurZimmermann spannender gemacht. Ein Schwerpunkt liegt nun auf Premiumhotel-Rei-sen, Aktivreisen, Wellness, Events und Feste und auf Bustouren für Singles und Alleinreisen-de. Für den Neustart im Frühjahr 2021 erhoffen sie sich, gegenüber der Konkurrenz einen Wett-bewerbsvorteil verschafft zu haben.

Das Reiseprogramm von Werner-Tours wird nun als Marke in die Schubert Touristik integriert und an das dort vorhandene Programm angepasst. Die Busflotte von Schubert soll mit Fahrgästen von Werner-Tours weiter ausgelastet werden. Synergie-Effekte sollen auch durch Zu-sammenlegung der EDV-Systeme entstehen. Die Befürchtung, die manche potenzielle Inves-toren hatten, dass der Name Werner-Tours verbrannt sein könnte, teilt Verena Meyer nicht. Von Anfang an hätten die Kunden überwiegend positiv reagiert und Mitgefühl gezeigt. Dass die Corona-Pandemie mit all ihren Begleiterscheinungen viele Unternehmen aus der Bahn wirft, ist für jeden verständlich. Zudem hat das Unter-nehmen offen mit einem Rundschreiben über die Insolvenz informiert.Weder hatte Werner-Tours Probleme damit, neue Verträge für 2021 mit Hotels und anderen Leistungsträgern abzuschließen, noch gab es Schwierigkeiten mit dem Reisevertrieb durch Fremdagenturen. „Da hat sich die langjährige Zusammenarbeit von 40 Jahren bezahlt gemacht“, sagt Meyer, die 1997 als Auszubildende zum Busreiseanbieter kam und sich nach einer beruflichen Umorientierung ab 2014 in nur fünf Jahren nach ihrer Rückkehr von der Finanzbuchhalterin bis an die Unternehmensspitze hocharbeitete. Erst 2019 wurde sie zur zweiten Geschäftsführerin neben Erik Klawonn ernannt und hat dann gleich das volle Programm mitge-nommen, wie sie sagt.

Nur wenige Monate nach dem Insolvenzantrag kann das alteingesessene Unternehmen durch das konsequente Handeln der Geschäftsführer und die kooperative Zusammenarbeit mit dem In-solvenzverwalter in ein zweites Geschäftsleben starten. Der Deal mit Schubert Touristik ist seit Anfang November in trockenen Tüchern, Franc Zimmermann wird deshalb mit dem Geschäfts-betrieb der Werner-Tours und damit mit seinen Mandanten ab jetzt nicht mehr viel zu tun ha-ben, da sei alles geklärt. Das eigentliche Insol-venzverfahren wird ihn noch rund drei Jahre beschäftigen. „Aufräumarbeiten“, sagt Zimmer-mann nüchtern: Forderungen der Gläubiger aufnehmen, prüfen, die Eintrittspflicht der Rückversicherer klären – solche Sachen meint er damit. Während Werner-Tours wieder wie früher Busreisen verkauft und das Coronavirus, das dies alles verursacht hat, dann hoffentlich kein Thema mehr sein wird.  

Mireille Pruvost

 

Quelle: Omnibusrevue 1.2021 / https://www.omnibusrevue.de

 

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